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Freelancing im Ruhrgebiet – Mediaagentur Herrok

Stefan Rokohl ist in Herten als freiberuflicher Business Designer tätig. Er macht den Anfang der hoffentlich interessanten, lustigen, lehrreichen und vielleicht sogar ab und an skurrilen Reihe über Freelancing im Ruhrgebiet (FIR).

snext: Stefan, du firmierst unter der Bezeichnung “Business Designer”. Hast du das tatsächlich so gelernt oder ist das der geschickte Versuch einer Positionierung im Freelancer-Haifischbecken?
Mediaagentur HerrokStefan Rokohl: Ich habe es gelernt, allerdings nicht auf die “klassische” Weise. Mit Grafiken zu spielen war eigentlich schon immer mein Hobby. Das geht zurück bis in die 80er Jahre. Damals natürlich noch ohne Computer, sondern klassisch mit Papier und Stift. Anfang 2000 orientierte ich mich in Richtung Webdesign, im Selbststudium. In dieser Zeit habe ich wohl Blut geleckt und zwei Jahre später ein Fernstudium über Werbegrafik und Design angefangen. Darüber hinaus habe ich mich für alles interessiert, was gerade in diesem Bereich angesagt war. Das hat sich bis heute nicht geändert.

sn: Seit wann bist du als Freelancer unterwegs?
SR
: Seit November 2005

sn: Hast du dich frei dazu entschlossen oder haben dich irgendwelche Umstände dazu gezwungen?
SR:
2005 wurde die Firma, in der ich gearbeitet hatte, geschluckt, und ich blieb auf der Strecke. Ich stand nun vor der Wahl, mich irgendwo neu zu bewerben oder die Chance zu nutzen, mein erlerntes Wissen, wofür ich eh ordentlich Geld bezahlt hatte, auch anzuwenden. Die zweite Variante ist’s geworden.

sn: Wie viele Stunden arbeitest du in der Woche?
SR:
Das hängt von der Auftragslage ab. An guten Tagen kommen schon einmal Zeiten von 7.00 bis 22.30 Uhr zustande. An schlechteren gehen meine Arbeitszeiten nur bis mittags oder nachmittags. Ich habe also keine festen Zeiten.

sn: Wie bist du organisiert? Hast du bestimmte, feste und tägliche Rituale, mit denen du in den Arbeitstag startest? Hast du feste Zeiten für Pausen? Arbeitest du am Stück oder eher verteilt auf den Tag?
SR:
Grundsätzlich ist jeder Tag anders. Ich plane natürlich vor. Beispielsweise reserviere ich den Montag komplett für Kunden A, den Dienstag gesplittet für die Kunden B und C usw. Feste Pausenzeiten habe ich nicht. Grummelt’s im Magen, muss ich was essen. Fertig.

sn: Und wie viele Stunden davon sitzt du einfach nur vor dem Telefon und wartest auf Aufträge? Oder akquirierst du aktiv?
SR:
Ich glaube, wenn man auf Kunden wartet, kann man schwarz werden. Man muss schon etwas dafür tun. Leider bin ich kein Telefonmensch.
Ich habe für mich entdeckt, dass ein persönlicher Kontakt am effektivsten ist. Das heißt, Gespräche führen Auge in Auge mit dem Kunden. Für die Telefonakquise habe ich eine Freundin, die das Ganze gelernt hat. Allerdings hat sie leider nicht immer Zeit für mich.

sn: Wenn dir die telefonische Kaltakquise nicht liegt: Nutzt du Businesstreffen? Grafikerstammtische? Visitenkartenpartys? Womit hast du die besten Erfahrungen gemacht?
SR:
Ich bin absoluter Netzwerk-Fan. Allerdings musste ich lange suchen, um ein Netzwerk zu finden, das zu mir passt. Ich habe viele Sachen ausprobiert und bin schließlich beim K.L.U.G.-Netzwerk in Mülheim hängengeblieben. Dort herrscht eine lockere Atmosphäre und jeder redet mit jedem. Das ist mir wichtig. Dort findet man Menschen, die trotz Erfolgs auf dem Boden geblieben sind. Das ist leider bei Netzwerken nicht immer der Fall.

sn: Wie laufen denn die Treffen dort ab? Muss man Mitglied sein? Kann jeder dahinkommen? Generiert man da Aufträge oder seufzen sich Freelancer nur gegenseitig an?
SR:
Das K.L.U.G.-Netzwerk trifft sich mehr oder weniger regelmäßig in einer Location (in Mülheim z. B. alle drei Monate). Das Treffen ist kostenlos und jeder kann dort hinkommen. Mann kann allerdings auch Mitglied werden. So wie ich. Die Jahresgebühr beträgt 60 EUR. Dies beinhaltet Seminare, Expertenunterstützung etc. Ich bin bis jetzt nur einmal ohne Auftrag von diesem Treffen nach Hause gegangen. So ein Abend gestaltet sich durch Begrüßung, Vorstellung der Mitglieder, einen Themenbeitrag und gemütliches Smalltalken. Die Atmosphäre ist sehr locker und es wird viel gelacht.

sn: Du bist vor kurzem aus deinem Büro zurück ins Home-Office gezogen. Kleben dir seitdem nicht deine Kinder ständig am Bein oder schließt du dich in deinem Arbeitszimmer ein? Wie kriegst du deine Arbeit und deine Familie unter einen Hut? Welche Tipps hast du für einen möglichst reibungslosen Ablauf, wenn man im Home-Office arbeitet?
SR:
Es müssen auf jeden Fall Kompromisse gemacht werden. Meine Kinder wissen, dass wenn mein Telefon schellt, sie sich leise zu Verhalten haben. Insgesamt ist es aber manchmal nicht leicht, alles unter einem Hut zu bekommen. Meine Frau geht auch halbtags arbeiten. Normalerweise bin ich dann für die Kinder da. Wenn allerdings ein großer Auftrag meine volle Zeit benötigt, wird es schon schwierig. Wichtig ist, dass die Prioritäten richtig gesetzt werden.

sn: Wo siehst du dich in einem Jahr, in fünf Jahren und in zehn Jahren? Bitte lass deiner Fantasie freien Lauf.
SR:
Ich kann es nicht sagen. In dieser Branche ist es schwierig. Es gibt viele schwarze Schafe und es gibt den netten Nachbarsjungen, der auch Webseiten gestaltet. Was dann dabei herauskommt, ist meistens nicht zu gebrauchen. Der Unternehmer erkennt das oft leider nicht.
Auch werden häufig hinter Gestaltungs- oder Programmierarbeiten der Aufwand und die Arbeit nicht erkannt. Man hat das Gefühl, der Kunde denkt, eine Webseite wird mal eben so mit dem Stift in den Rechner gemalt. Demnach sind dann auch viele erschrocken, wenn sie einen Preis genannt bekommen.
Es ist eine ständige Berg- und Talfahrt. Ich habe beides schon erlebt. Wenn es so weitergeht wie im Moment, renne ich aber den Berg hinauf.

sn: Wie gehst du denn mit Preisbrechern um? Wie reagierst du, wenn auf Portalen wie myHammer.de komplette Webdesigns für 25 EUR angeboten werden? Macht das den Markt nachhaltig kaputt oder wird sich Qualität durchsetzen?
SR:
Auf diese Portale à la myHammer, Blauarbeit etc. stehe ich überhaupt nicht.
Sicher tummeln sich dort auch qualifizierte Leute, aber eben auch schwarze Schafe. Erst letzte Woche gab es da ein Angebot über eine Webseitenerstellung für 99 Euro. Komplett! Als ich den Anbieter angeklickt habe, konnte ich bei Ansicht seiner eigenen Webseite nur die Hände über den Kopf zusammengeschlagen. Ich hoffe die Kunden sehen irgendwann den Unterschied.

sn: Tipps&Tools: Mit welchen Rechnern arbeitest du? Welche Programme hast du mit den Jahren schätzen gelernt und willst du nicht mehr missen? Gib uns drei Freeware-Tipps, auf die du nicht freiwillig verzichten würdest.
SR:
Ich arbeite mit zwei Systemen. Zum einen mit dem PC und zum anderen mit einem iMac. Allerdings nutze ich Letzteren nur fürs Rendern bei aufwändigen 3D-Sachen oder Movies. Ich habe auch keinen eigenen mehr. Wenn solche Sachen zu machen sind, gehe ich zu einem befreundeten Designer (Wird das der neue Trend: Mac-Sharing? -sn). Den Laptop nutze ich eigentlich nur für die Präsentation beim Kunden. Bei den Programmen bin ich sehr vielfältig. Neben den “Must-have”-Programmen wie Adobe Photoshop und InDesign nutze ich Ulead Photo Impact, Corel Graphic Suite, Simply 3D und das DTP-Programm zusätzlich. Meine Freeware-Tipps sind: Inkscape (Vektorgrafik-Programm), Notepad ++ (Programmiertool) und GIMP (Bildbearbeitungstool).

sn: Corel??? Ist das nicht das Grafik-Pendant zu Frontpage im Webdesign?
SR:
Ja, du hast Recht. Corel ist bei den Designern verschrien. Aber Corel ist nicht schlecht. Gerade für Anfänger, die nicht den dicken Geldbeutel haben, um sich Adobe-Software zu leisten, ist es optimal. Die Ergebnisse sind meiner Meinung nach auch vergleichbar. Das eine kann Adobe besser, das andere Corel. Ich muss Corel nutzen, weil einige Werbeartikelhändler damit arbeiten.

sn: Drei zwingende Argumente freiberuflich zu arbeiten.
SR:

  • Eine gewisse Freiheit
  • freie Zeiteinteilung
  • man arbeitet in die eigene Tasche.

sn: Drei Gründe, in eine Festanstellung zu wechseln.
SR:

  • Soziale Absicherung durch den Arbeitgeber
  • regelmäßige Entlohnung
  • ein regelmäßiger Tagesablauf.

sn: Drei Merkmale, die dich unverwechselbar machen.
SR:

  • Mein Stil. Jeder Designer hat einen gewissen Stil, der sich in den Arbeiten immer wiederspiegelt.
  • Der Umgang mit Kunden auf die lockere Art; hat oft den Effekt, dass man so eher weiterempfohlen wird.
  • Meine Geduld.

sn: In deiner Freizeit machst du unter anderem Musik. Ist das der nötige Ausgleich? Oder einfach ein zusätzliches Ventil, um deine Kreativität zu kanalisieren?
SR:
Eher ein Ventil. Ich biete in meinen Leistungen ja auch Funk-Spots an. Da ist die Musik sowieso sehr wichtig.

sn: Platz für Eigenwerbung: Du kannst hier Beispielarbeiten verlinken, deine Homepage, deine Musik, gebaute Websites etc. Tob dich aus.
SR:

Danke, Stefan, und viel Erfolg für das laufende Jahr.

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