Aug
2008
Die vier Sargnägel eines Texters – Nagel 1
Neben zu viel Kaffee, zu wenig Schlaf und zu wenig Platz auf dem Schreibtisch wegen zu vieler Kundensprech-Textersprech-Wörterbücher gibt es einige Phrasen, die durchaus irgendwann einmal die Nägel meines Sarges sein könnten. Aus etlichen Unterhaltungen mit anderen Textern weiß ich, dass ich damit nicht allein stehe.
Deshalb hier für Sie, geschätzte Kunden, und für Sie, geschätzte Leser, die vielleicht einmal Kunden werden, in einer losen Reihe die vier Sargnagelphrasen des Textertodes.
Sargnagelphrase 1: Unsere Abteilungen haben schon mal ein paar Texte vorbereitet.
Das ist wirklich nett von ihr, der Abteilung. Glauben Sie mir, Texter wissen solche Bemühungen zu schätzen. Wirklich. Aber wirklich nötig sind diese nicht.
Sie gehen ja auch nicht hin und fliesen eine Wand Ihrer neuen Dusche hoch bis zur Decke und sagen dem Handwerksmeister: “Ich hab’ schon mal eine Wand vorbereitet, daran können Sie sich orientieren, damit Sie wissen, wie’s ungefähr aussehen soll.” Im Normalfall wird der Profi-Fliesenleger Ihre Vorarbeit mit dem Meißel von der Wand hebeln, alles neu verputzen und von vorne beginnen müssen.
Bei Ihren Texten sieht es nicht anders aus. In einem oder auch mehreren intensiven Gesprächen (Marketingsprech: Briefing) erarbeiten wir uns gemeinsam die Klangfarbe Ihres Textes, den zu vermittelnden Inhalt, die Länge, die Ansprache Ihrer Kunden, die Vorlieben Ihrer Zielgruppe und vor allem: den Zweck, den Ihr neuer Text erfüllen soll.
In der Zwischenzeit kann sich Ihre Kreativ-Abteilung ihrer ursprünglichen Aufgabe widmen. Voraussetzung dafür, dass es genau wie beschrieben funktioniert, ist eine schiere Informationsflut, unter der Sie Ihren Buchstabenzauberer begraben sollten. Denn sonst sind wir bei Sargnagelphrase Nummer 2: Das weiß ich nicht. Dazu in den nächsten Tagen mehr.
