Aug
2008
MySpace vs. eigene Homepage
Eines vorweg: Ich bin kein Fan von MySpace.
MySpace ist eine Plattform für Selbstdarsteller mit mehr oder minder großen Profilneurosen. Doch wie das in solchen Fällen leider ist: Man kommt nicht drum rum. Zumindest nicht, wenn man irgendwas mit Musik zu tun hat. Und: Ja, ich habe dort auch ein Profil.
Aber es geht hier ja gar nicht um mich. Es geht um hoffnungsvolle Nachwuchsbands, die alles versuchen, möglichst gut und von vielen Leuten im Netz gefunden zu werden. Sie stellen in letzter Zeit immer häfiger die Frage:
Wir sind eine coole Band und wollen möglichst unkompliziert möglichst viele Menschen erreichen. Brauchen wir dazu überhaupt eine eigene Homepage oder reicht nicht eine gute MySpace-Seite?
Das ist die Frage, die mich ganz kurz ins Grübeln gebracht hat – bevor ich mit einem klaren: “Ihr braucht beides!” geantwortet habe. “Warum denn?” Na, die Gegenfrage musste ja kommen.
MySpace
Als Musikjournalist votiere ich klar für MySpace. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Navigation ist bekannt, man kann sicher sein, Hörbeispiele und rudimentäre Informationen ohne langes Suchen zu finden. Das ist der unschlagbare Vorteil von MySpace: Man weiß, was einen erwartet. Das ist es aber auch schon.
Natürlich gibt es mittlerweile unzählige Pimp-my-Space-Seiten, die die eigene Page aus dem MySpace-Einerlei herausheben sollen. Aber jeder, der schon selbst einmal versucht hat, vorgegebene Templates via CSS selbst anzupassen, kommt schnell an seine Grenzen.
Da hat man dann Bands, die sich im Proberaum Gedanken über jedes einzelne Gitarrenriff machen, ihren Sänger dreißig Mal vor das Mikrofon zerren, weil er den Ton eben doch noch nicht zu hundert Prozent getroffen hat und das Schlagzeug wird für eine Spuraufnahme mit zwölf verschiedenen Mikros abgenommen – und dann sieht die MySpace-Seite aus wie aus dem Frontpage-Baukasten von 1997.
Eigene Homepage
Austobwiese für Kreative. Hier könnt ihr euch so präsentieren, wie ihr euch seht. Oder gesehen werden wollt. Es gibt keine Einschränkungen in den Bereichen Navigation, Layout, Optik, CSS, HTML, PHP, Flash oder was auch immer. Eigentlich.
Die Grenze verläuft da, wo euer Können aufhört und gefährliches Halbwissen beginnt. Eine eigene Homepage will durchdacht, will geplant, will im Prinzip komponiert sein wie ein Song. Nicht wie ein Drei-Minuten-Punkstück, eher wie ein Pink-Floyd-Epos. Hier könnt ihr alles richtig machen, wenn ihr euch helfen lasst. Amateurhafte Designs mit blinkenden, sich drehenden E-Mail-”E”s sind nicht nur alt und hässlich, sie lassen auch unvorteilhafte Rückschlüsse auf eure Musik zu.
Am einfachsten ist es für den Anfang, sich für ein CMS zu entscheiden, ich bin ja Fan von Joomla und Wordpress (ja, ich weiß, Letzteres ist kein eigentliches CMS, kann aber durchaus als eins eingesetzt werden). Guckt euch ein bisschen im Internet um. Oder fragt mich, ‘nen Tipp gibt’s immer mal zwischendurch.
Wichtig ist vor allem eins: Keep it simple and stupid!
Lasst eure User und Fans nicht im Regen stehen. Wählt eindeutige Überschriften und Menüpunkte, packt Videos und Hörbeispiele dazu, eine Diskographie, Fotos von euch (und bitte keine im Spongebob-Schlafanzug mit einer vermeintlich lustigen Nutella-Grimasse) und eure Bandgeschichte. Der größte Vorteil einer eigenen Homepage gegenüber MySpace ist aber: Ihr könnt eure Platten und euer Merch auf eurer Website verkaufen! Nutzt die Gelegenheit! Verlinkt eure MySpace-Seite mit eurem Shop-Angebot (es muss ja kein voll ausgestattetes Shopmodul sein, es reichen für den Anfang auch Abbildungen von Cover oder Shirts, der Preis und ‘ne Mail-Adresse, an die die Bestellung geht).
Zur Vernetzung im Internet und den für euch relevanten Portalen gibt es in ein paar Wochen einen weiteren Artikel.
Stay tuned!
