Dec
2008
Verblödet die nächste Generation?
Gleich zu Beginn weise ich darauf hin, dass dieser Post inspiriert wurde von “Generation Doof”, dem Buch von Anne Weiss und Stefan Bonner, das ein satirisches Porträt der Heranwachsenden zeichnet (oder es zumindest versucht). Zum Teil bitterböse, größtenteils aber erschreckend wahr (und wohl eher als Essay gedacht und dann zum Buch, sorry, aufgebläht). Ich entstamme der Generation der Autoren, bin also aufgewachsen mit Colt Seavers, dem “Trio mit vier Fäusten” und weiß zumindest, dass Captain Kirk irgendwann auch mal richtig die Augen öffnen konnte und in eine Star-Trek-Uniform gepasst hat.
Gut, das mag nun kein wirklich wichtiges Wissen sein, aber ich bin stolz, ab und an willentlich eine Alliteration zustande zu bringen. Das wäre von den meisten Kiddies heutzutage schon zu viel verlangt.
Gestern in einer Bochumer Buchhandlung. Zwei Mädels, die in den letzten zwei Wochen ihres Lebens mehr Zeit dem Schminken denn einem guten Buch in ihrem ganzen Leben gewidmet haben, stehen ratlos vor einem der gut gefüllten Regale.
“Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Kenn isch, den hab isch in Fernsehn gesehn.”
“Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod … und wat is daran jetz so lustich?”
“Ja, hier, Dativ, ne? Weil, da muss noch ‘n ‘des’ rein.”
“Wo denn?”
“Ach, weiß isch jetz auch nich. Kuck ma: ‘Synonymlexikon’. Wat is dat denn? Hab isch ja noch nie gehört.”
Ich frage mich, wo das noch hinführen soll. Soll Deutsch als Castingshow getarnt unterrichtet werden? Brauchen wir “Das Alphabet mit Dieter Bohlen” oder “Dufte dichten mit Sido”? Kann man den Kiddies heute noch vermitteln, dass ein Jambus nichts mit Klingeltönen zu tun hat? Brauchen wir eine weitere Rechtschreibfreform, die alles zulässt, was den Sinn eines Wortes oder einer Formulierung noch erahnen lässt? Bin ich zu spießig, wenn ich mich noch immer über jeden Deppenapostrophen, jeden nicht verwendeten Dativ und jedes überflüssige Füllwort echauffiere? Sollte ich mich nicht lieber freuen, dass ich als Texter in Zukunft mehr denn je gebraucht werde?
Nein. Es schmerzt. Sprache ist so etwas Tolles. Es macht Spaß, einen gut formulierten Text zu lesen oder ein Buch, dessen Kapitel Bilder in meinem Kopf entstehen lassen. Schöne Bilder. Schaurige. Aber auch das dürfte ein Wort sein, das bald in Vergessenheit geraten wird. Übelst, das ist krass übelst.
Und zum Abschluss noch ein Klassiker.

Womit sich der Reporter bewiesen hätte, dass es jemanden gibt, der noch blöder ist als er selbst. Hat ihm vielleicht gutgetan. Über die Generation sagt es so wenig wie alle diese Klagen über den bevorstehenden Untergang von Sitten, Sprache, Bildung … , für die es Belege aus 2500 Jahren gibt. Auch die nächste Generation wird gute Texte neben viel Sprachmüll hervorbringen, alles wie seit vielen Generationen.