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Freelancing im Ruhrgebiet – Fotodesign Isabella Thiel

Isabella Thiel ist freie Fotodesignerin in Dortmund und hat sich auf Personenporträts spezialisiert. Neben Auftragsarbeiten arbeitet sie auch gerne frei an eigenen Projekten.

snext: Isabella, du bist Fotodesignerin, hast dein Diplom an der Fachhochschule Dortmund erworben und bist seitdem freiberuflich unterwegs. Warum bist du nirgends angestellt?
Isabella Thiel:
Ich kann so meine Ideen und mein Können unter meinem Namen beweisen. Wenn man irgendwo angestellt ist, steht man immer im Hintergrund. Meine Ideen würden unter einem andere Namen veröffentlicht. Mein Einsatz würde damit nicht gewürdigt.

sn: Erkläre einem Unwissenden doch bitte kurz den Unterschied zwischen Fotografie und Fotodesign.
IT:
Die reine Fotografie ist ein handwerklicher Beruf. Hier steht die technische Ausführung im Vordergrund. Beim Fotodesign stehen Gestaltung und Idee bzw. Konzeption im Mittelpunkt. Aber natürlich müssen Fotodesigner auch technisch fit sein.

sn: Wie viele Stunden arbeitest du in der Woche?
IT:
Kann ich so gar nicht sagen. Es gibt Wochen, in denen ich mehr als 60 Stunden arbeite.

sn: Hast du feste Arbeitszeiten?
IT:
Als Freelancer arbeitet man immer, auch wenn es nur gedanklich ist.

sn: Gibt es irgendwelche Rituale, die dir den Einstieg in den Arbeitstag erleichtern (zuerst Mails checken, mit dem Hund joggen, ‘ne Kippe rauchen, ‘ne Kanne Kaffee trinken oder so)?
IT: … Push the button on PC … drink a coffee … that’s it :)

sn: Wie sieht es mit der Akquise aus: Bist du bereits so etabliert, dass man dich bucht oder akquirierst du manchmal auch per Telefon?
IT:
Akquise habe ich am Anfang sehr mühselig gemacht. Mitlerweile werde ich vermittelt oder
die Kunden kommen durch meine Homepage auf mich zu.

sn: Für den Nachwuchs: Wie stellt man es an, am Markt nicht unterzugehen? Welche Eigenschaften und Fähigkeiten, abgesehen vom guten Auge, muss man als angehender Fotodesigner mitbringen, um am Markt zu bestehen?
IT:
Man muss die Fotografie (oder das Fotodesign) lieben und immer sein Bestes geben. Wenn man die Fotografie nur als Job sieht, passiert es schnell, dass einem die Ideen ausgehen. Kunden wollen immer begeistert werden. Du musst immer Einsatz zeigen und auch mal was Neues ausprobieren. Man muss auch seinen Stil finden, dann wissen die Kunden, was sie zu sehen bekommen, deshalb kommen sie auch wieder.

sn: Du hast vor einigen Monaten dein Home-Office gegen ein gemietetes Büro getauscht. Warum?
IT:
Es ist repräsentativer. Es ist mir auch wichtig mich weiter zu entwickeln und nicht stehen zu bleiben. Zu Hause war ich dann auch schon ziemlich alleine mit der Technik. Das Zwischenmenschliche an manchen Tagen habe ich auch vermisst. Man hat hier immer jemanden für einen Smalltalk. Meine Büronachbarn haben auch immer ein offenes Ohr für kurze Fragen.

sn: Wo liegen die Schwerpunkte deiner Arbeit?
IT:
Porträts, Menschen

sn: Was macht gerade deine Arbeit so besonders?
IT:
Ich denke, ich habe meinen Stil gefunden. Meine Fotos sind individuell und tragen meine Handschrift.
Von daher ist meine Arbeit auch nicht “besonders”, sondern hat einen hohen Wiedererkennungswert.

sn: Wie sieht deine Zukunft aus? Wo stehst du beruflich in fünf und zehn Jahren? Was sind deine Ziele?
IT:
Ich möchte jungen Fotodesigner/innen den Einstieg ins Studium oder ins Berufsleben erleichtern, die die Fotografie lieben wie ich. Zwei oder drei Angestellte in der Zukunft wären schön. Jemandem die Begeisterung weiter zu vermitteln. Ich möchte auch wieder mehr Zeit für freie Projekte haben und Ausstellungen organisieren.

sn: Merkst du persönlich schon irgendwelche Auswirkungen der Wirtschaftskrise? Buchen deine Kunden seltener?
IT:
Nein.

sn: Tipps&Tools: Mit welcher Ausrüstung arbeitest du? Welche Kameras benutzt du?
IT:
Sony A 700, diverse Objektive, beliebte Optik “Carl Zeiss Planar 1,4/85″, zwei Handblitze.
Sun Bounce Pro Gold 130 cm x 190 cm.
Hasselblad 501 CM, CFE 80 mm, CB 160 mm.
Minicom Expert Kit »Spezial« (mobile Blitzanlage).

sn: Fotografierst du manchmal noch analog?
IT:
Sehr selten.

sn: Welche Programme hast du mit den Jahren schätzen gelernt und willst du nicht mehr missen? Gib uns drei Freeware-Tipps, auf die du nicht freiwillig verzichten würdest.
IT:
Ich schätze nur professionelle Programme wie Adobe Photoshop und DxO Optics Pro. Picasa finde ich klasse, um Fotos schnell online zu stellen.

sn: Macht dir die ständige Verfügbarkeit von Kameras, z. B. in Handys, das Leben manchmal schwer, weil niemand mehr Geld für professionelle Fotografie, für professionelles Fotodesign ausgeben will?
IT:
Überhaupt nicht. Und wer sagt, dass keiner mehr für Geld für professionelle Fotos ausgeben will?
sn: Wie sieht es mit solch Schleuderpreis-Portalen wie myHammer aus? Da bekommt man deine Dienstleistung ab 25 Euro. Warum soll man nicht das günstige Angebot nehmen?
IT: Man kann so ein günstiges Angebot annehmen, das Ergebnis wird für sich sprechen. Für den Preis kann man nur eine schnelle Massenproduktion machen. Da kann weder eine Idee noch ein eigener Stil hinter stecken.

sn: Die drei Fragen mit der Drei:
Drei zwingende Argumente freiberuflich zu arbeiten.
IT:
Die Möglichkeit eigene Ideen zu verwirklichen, sich was Eigenes aufbauen zu können und die freie Zeiteinteilung.
sn: Drei Gründe in eine Festanstellung zu wechseln.
IT: Nur ein Grund: festes Einkommen.
sn: Drei Merkmale, die dich unverwechselbar machen.
IT: Ich bin ehrlich, fleißig und perfektionistisch.

sn: Und jetzt hast du noch die Möglichkeit, dir selbst eine Frage zu stellen, die du unbedingt beantworten möchtest.
IT:
Warum sollte man Fotodesign studieren und nicht als Autodidakt anfangen?
Im Studium hat man die Möglichkeit, sich mit vielen auszutauschen. Man findet seinen Stil und seine Vorlieben in der Fotografie. Vor allem lernt man konzeptionell zu arbeiten. Für den Berufsweg ist es nur von Vorteil, wenn man mitbekommt, was aus einer Idee entstehen kann … oder eben auch nicht.

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Viel Erfolg weiterhin.

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