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Wohin mit schlechten Ideen? Und woher überhaupt?

Was passiert eigentlich mit all den Ideen, die man im Laufe eines Projekts so entwickelt? Und wie erkennt man sie?

Ich halte es mit jeglichen Ideen so, dass sie mindestens eine Nacht überleben müssen.
Nimmt man sich eines kniffligen Problems an, euphorisiert der erste Ansatz meist so sehr, dass man leicht Opfer der rosaroten Hach-was-bin-ich-kreativ-und-pfiffig-Brille wird. Das Blatt ist nicht mehr leer, man kann endlich schreiben und konzipieren. Doch nicht umsonst mahnen alle Textratgeber davor, sich zu schnell der ersten Idee hinzugeben. Meistens entstehen diese ja durch Assoziationen mit kürzlich Gesehenem oder Gelesenem. Das muss beileibe nicht immer negativ enden, ist aber zumeist das Offensichtlichste, das auch anderen einfallen könnte. Und dann ist die Idee plötzlich gar nicht mehr so großartig.

Sacken lassen

Was also tun? Das Wichtigste: Sacken lassen. Auch wenn die Deadline drückt: Sind der Text geschrieben, das Konzept gescribbelt und die Rohzeichnungen fertig, sollte man weggehen. Eine Runde ums Haus. Einen Kaffee trinken. Mit dem Hund spielen. Und dann wiederkommen. Meistens hat sich der Blick dann schon geklärt. Kann der Ansatz bestehen? Sagt der Bauch: Naja, es ist ganz nett, aber … (Und schließlich wissen wir ja, wessen kleine Schwester “nett” ist.): wegwerfen.
Die Distanz, die man sich verschafft hat, reicht oftmals für den richtigen Zugang. Man hat das Problem dann lange genug gewälzt, um objektiver rangehen zu können. Man kann es besser überblicken. Denn in der Abwesenheit stellt das Gehirn netterweise nicht das Arbeiten an. Wer kennt es nicht, dass man manchmal nachts wach wird, weil man plötzlich die Lösung einer kniffligen Aufgabe kennt? Welcher Kreative hat nicht schon davon profitiert, Stift und Zettel neben dem Bett liegen zu haben? Das Gehirn nimmt sich der schwierigen, ungelösten Probleme unbewusst an. Deshalb sollte man sich auch von seinem Arbeitsplatz entfernen und sich mit anderen Dingen beschäftigen. Das Hirn macht das schon, es kann auf den gesamten Erfahrungsschatz zurückgreifen und Verbindungen ziehen, wo das Bewusstsein kapituliert.
(Das ist natürlich arg vereinfacht dargestellt, die ablaufenden Prozesse sind weitaus komplizierter; wer sich dafür interessiert, dem kann ich Richard David Prechts “Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?” empfehlen, tolles Buch über philosophische Strömungen mit einem ausführlichen Exkurs zur Hirnforschung.)

Und was ist nun mit den ersten Ideen, die der näheren Betrachtung nicht standhalten?
Heide Liebmann schreibt in ihrem Beitrag “Akquise-Alphabet: B wie Beobachten – Das Leben, die Netzwelt und natürlich den Wettbewerb”, dessen einzelne Aspekte durchaus auch hier Anwendung finden:

Beobachten, wahrnehmen, sich eine Meinung bilden, mit anderen diskutieren, ausprobieren, verwerfen, weitersagen, weiterentwickeln [...].

Ich finde den Aspekt des Verwerfens am spannendsten. Man muss sich von Ideen trennen können. Nicht jeder Ansatz ist es wert verfolgt zu werden. Man darf nicht zum Ideenmessie werden. Keine Schublade, in der alte Ideen vor sich hin gammeln und darauf warten wiederentdeckt zu werden. Wenn sie es verdienen, werden sie sich von selbst ins Gedächtnis bringen, wenn es soweit ist. Und wenn nicht: dann nicht.

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2 Responses

  • 27. April 2009 at 10:59

    Hallo,

    das mit dem verwerfen sehe ich etwas anders. Natürlich müssen wir nicht jede Idee weiterverfolgen, aber meine Erfahrung lehrt, manchaml ist die Zeit noch nicht reif und wir müssen abwarten. Wie ich das genau mache, habe ich in meinem Blog beschrieben.

    Gruß Mario Carla

  • 27. April 2009 at 20:38

    Hallo Mario,

    was das Texten angeht, sind afaik die ersten Ideen meistens für die Tonne. Die hebe ich auch nicht für später auf. Viele Ideen verlieren auch ihren Reiz mit der Zeit. Das ist dann so, als würde man sich im Aldi ein Ersatzbügeleisen kaufen und im Keller lagern, für den Fall, dass das aktuelle mal kaputt geht. und wenn’s dann soweit ist, kauft man sich lieber gleich ‘nen neuen Plätter. Lagernd wird nur Wein besser. ;)
    Anders verhält es sich mit zwei Arten von Ideen: Buchideen oder Kapitelanfänge oder Satzfragmente landen in einem dicken Notizbuch. Für später.
    Ebenso Konzeptideen für Websites mit Navigationen oder Nutzerführungen, für die die Welt noch nicht bereit ist. Oder die Technik. Oder ich.

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