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Die Gamescom in Köln – Warten, warten, warten

Warteschild auf der GamescomAm Donnerstag, also mehr oder weniger bewusst an einem Besuchertag, verschlug es mich in die Domstadt, wo ich mir die neuesten Spieletrends anzusehen gedachte. Abgesehen von 37 Grad Außentemperatur, die mich schon früh am Tag dem Kollaps nahe brachte, dauerte es nicht lange, bis der nächste Aufreger den erhofften Spaßtag zum Frusttag werden ließ.

Am Eingang wurde man mittels verschieden farbiger Armbändchen in Altersgruppen eingeteilt: Grün für 12-15 Jahre, Blau für 16-17 und schließlich das rote Bändchen für “alt“. Das bekam ich. Schön, war der Gedanke, hinein ins Gewimmel, Blizzard suchen und einen ersten Blick auf “Diablo III” werfen. Auf dem Weg dorthin verharrte ich aber zuerst an einem Stand von “Rockband” oder “Guitar Hero”, keine Ahnung, die sind ja mittlerweile austauschbar. Einige Besucher versuchten sich an Rock- und Popsongs und verbreiteten Frohsinn und Mitleid.

Gegen 12 Uhr war ich dann endlich am Blizzard-Stand. Riesig. Schnell ein Seitenblick auf “StarCraft II” (nicht meine Welt), dann rüber zu Diablo, anstellen. Die Schlange vor dem Eingang verhieß schon mal nichts Gutes. Hinter den letzten Wartenden dann das Schild: “Ab hier bitte nicht mehr anstellen. Wartezeit über 4 Stunden.” Hallo? Vier Stunden? Was soll ich denn in dieser Zeit machen? Ich wollte mich ja nichtmals an einen der Rechner setzen, mir hätten schon ein paar Minuten Zusehen gereicht. Doch aus Gründen des Jugendschutzes waren alle Titel mit Altersfreigabe ab 12 Jahren laut USK in riesigen Boxen untergebracht, zu denen nur die entsprechende Altersgruppe Zugang hatte. Am Donnerstag dürften also etwas dreihundert Leute “Diablo III” gesehen haben. Promotion geht anders, wertes Blizzard-Team.

Das sahen so wohl auch etliche Besucher der Gamescom, die sich ob der Warteschlangen enttäuscht irgendwoanders hinbegaben (außer zu den Imbissständen; Pommes, Bratwurst, Cola für 9,50 Euro sind wahrlich kein Schnäppchen).

Den meisten Spaß verbreiteten übrigens die Jungs und Mädels von Electronic Arts, die auf einer Bühne allerlei Spökes veranstalteten und unter anderem den genialen Tim Schafer im Interview hatten. Auf drei riesigen Leinwänden flimmerten EA-Trailer, die man sich gemütlich auf den Zuschauerrängen ansehen konnte. Allein die Spielecontainer für Titel wie “Brütal Legend“, “Dragon Age” oder “Dante’s Inferno” erinnerten an den Wartewahn. Da müssen die Veranstalter der Gamescom dringend nachbessern.

Zum Beispiel mit einer Halleneinteilung nach Altersgruppen. Dann müssen Großpublisher wie EA oder Blizzard zwar Abschied nehmen von ihrer Ständegigantomanie, dafür könnte man Titel wie Diablo in den entsprechenden Hallen aber gut und gerne auf Riesenleinwänden präsentieren, wo sie von potenziellen Käufern überall gesehen werden. Mit diesen Verrichtungsboxen tun sich die Entwickler keinen Gefallen. Zumal auch die kleinen Anbieter nicht glücklich aussahen. Man hatte zwischendurch den Eindruck, als wären sie gerade gut genug als Lückenfüller. Die Spielemesse in Essen löst das Problem ganz geschickt: Für Kleinanbieter gibt es eine Extrahalle, in denen feste Cubicles stehen für Spielehersteller ohne großes Messebaubudget. Man weiß genau, was man in so einer Halle erwartet – und erwartet vor allem nicht mehr als einen Tisch und ein paar nette Spielideen.

In Köln wären dann auch Softwarehersteller wie Magix nicht gnadenlos untergegangen. (Ich bin etwa viermal an deren Stand vorbeigegangen, sie waren immer unter sich. Es gab auch nur einen Fernseher, auf dem Präsentationen etwa von Samplitude liefen, das war’s. Klar, das ist kein originelles Messekonzept, aber die Magix-Produkte sind in der Regel recht ordetnlich, da hätten sie schon etwas mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.)

Fazit: Insgesamt haben über 240.000 Leute die 120.000 Quadratmeter der Kölnmesse belaufen. Das Medienecho war erwartet riesig. Der Gamesmarkt brummt. Allein das Messekonzept muss dringend überdacht werden, denn wer auf eine Spielemesse geht, will auch Spiele sehen.

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