Sep
2009
Sternenzauber – Art of Fire mit Ehrenrettung
Frisch zurück vom Sternenzauber, einem Feuerwerk(er)wettbewerb, bei dem drei Truppen gegeneinander antreten. Die Truppe, die das beste Boden- und Höhenfeuerwerk perfekt zu selbst zusammengestellter Musik abfackelt, gewinnt einen Pokal und 3.000 Euro. Ort der Veranstaltung war der Dortmunder Westfalenpark, in dem schon im August anlässlich des Lichterfestes gleich zwei Feuerwerke gezündet worden waren.
Einlass war gegen 18 Uhr, wir kamen etwa eine Stunde später an. Wir hatten Sitzplatzkarten (im VVK für stolze 16 Euro zzgl. VVK-Gebühren unters Volk gebracht) und gaben uns der Illusion einer perfekten Organisation des Events hin. Verantwortlich für den Sternenzauber zeichnete die ENERGIE Musikverlag GmbH aus Herne, die den Pyro-Wettlampf schon im Vorjahr in Dortmund und in diesem Jahr in mehreren deutschen Städten veranstaltet hatte.
Am Seeufer (im See liegt die Seebühne, von der aus die Feuerwerke geschossen werden sollten) war ein Sitzplatzareal mit Holzbänken abgegrenzt. An den Zugängen kontrollierten nette Security-Kräfte die Karten und verteilten Bändchen, die den späteren Zutritt gewährleisteten. Im Rücken der Sitzplätze, die übrigens am Fuße eines kleinen Hügels liegen (der Westfalenpark fällt in Richtung See leicht ab), war die Partywiese eingerichtet. Allerlei Fressbuden und Getränkestände, an denen man von sehr, sehr jungen Jungs und Mädels bedient wurde, es gab Kinderbespaßung und die Musikbühne. Mit Programm.
Los ging’s mit der Tequila Sunrise Band, einer netten Coverband, die sich redlich bemühte, Stimmung in das steife Publikum zu spielen. Frontfrau Silvia Burgemeister machte ihre Sache gut, der Band hätte heute allerdings ein Bassist gut getan, der Sound war etwas dünn. Wer im Anschluss eine musikalische Steigerung erwartet hat, wäre nach der gut gelaunten Combo besser nach Hause gegangen. Nach einer kurzen Moderation von Ted Stanetzky, der mit Sternenzauber auf Tour und nicht immer stilsicher ist, enterte Möchtegern-Schlagersternchen Jennifer die Bühne. Schon nach dem ersten Song beleidigte sie das Publikum (“Ihr seid aber lahm!”), wenn auch neckisch gemeint. Ihre nasale, dünne Stimme nervte nach wenigen Minuten, ihre eigenen 08/15-Baukasten-Lieder konnten nicht überzeugen. Und auch ihre Coverversionen (Que sera, sera und ein Abba-Medley) blieben musikalisch ausdruckslos.
Den Auftritt von Ruhrcraft erlebte ich von den Premiumsitzplätzen aus. Leider konnte man von da die Bühne nicht sehen. Ein fetter Faux-pas der Veranstalter, die Sitzplatzkarten doppelt so teuer wie die anderen zu machen, und die edlen Spender dann dermaßen abzustrafen. Ruhrcraft nervten am Seeufer. Das Didgeridoo-lastige Getrommel dröhnte einfach nur monoton aus den Boxen. Stanetzky moderierte im Anschluss tanzende Mengen an den Bühnenrand, aber zu dem Zeitpunkt hätten die Leute auch Rudelfurzen auf der Bühne frenetisch abgefeiert.
In den Umbaupausen versuchte DJ Manni das Publikum zu unterhalten. Ganz ehrlich, ich halte Manni für den ersten DJ Deutschlands, der keinen einzigen Song seiner CDs kennt, und Lieder nur nach den Namen auswählt. Da passte einfach nichts zur Stimmung – und machte auch keine.
Um 21.55 Uhr sollte das Feuerwerken beginnen. Die Sitzplätze füllten sich ab kurz nach halb zehn zusehends. Vor dem Wettbewerb allerdings sollten noch Ladys Of Fire ihre Feuershow vorführen. Sehr zum Leidwesen der Sitzplätzer ebenfalls auf der Wiesenbühne. Heißt: Man hat die Musik gehört, zwischendurch wurde es immer mal hell, ansonsten hat man NICHTS von den Ladys gesehen. GAR NICHTS.
Es kann doch nicht angehen, dass man sein Publikum verprellt, indem man es mit überteuerten Sitzplätzen anfixt und dann in den Hintern tritt, indem man diese vom Programm vor dem Feuerwerk ausschließt. Rein logistisch wäre es auch gar nicht möglich gewesen, alle Leute rechtzeitig nach dem Feuervorführung von der Wiese in die Sitzreihen zu geleiten. Die Reihenfolge der Shows hätte mieser nicht sein können: Eine Stimmung anheizende Covercombo als Opener, deren gute Laune von einer Schlagertante zermalmt wird, worauf eine Trommeltruppe die Stimmung gänzlich in den Boden stampft. Das erste Highlight, die Ladys, direkt vor den Höhepunkt des Abends zu setzen, kann eigentlich nur Anfängern passieren. Null Dramaturgie, null Spannung und eine sinkende Stimmungskurve, gerade im “Premium”bereich. Besser wäre gewesen: Trommeltruppe zum Eingrooven, Jennifer zum Bierholen, Lady Of Fire zum Anheizen, Tequila Sunrise Band zum Stimmung halten und Geleiten der Leute auf die nummerierten (!!!) Sitzplätze (ohne Panik, seinen guten Platz zu verlieren).
Zum eigentlichen Event: das Feuerwerk.
Drei Bewerber. Drei Feuerwerke. Drei Choreografien. Ich will vorgreifen, dass nur eine Truppe überzeugen konnte.
Der erste Zündkopf, er wird mir verzeihen, dass ich seinen Namen vergessen habe, startete mit einem deutschen Song, Bodengezündel und insgesamt recht lahm. Das änderte sich auch im weiteren Verlauf nicht. Viel Bodensprüher und Flammenkarussels, die fatalerweise riesige Rauchwolken gebildet haben. Deswegen konnte man auch die mittelhohen Raketen nicht genießen – weil man sie nicht nicht gesehen hat. Mehr noch: Zum Teil konnte man nur hören (!), dass irgendwo ein Feuerwerk stattfindet, Leuchten sah man nur am Rand der Rauchwand. Die Musikauswahl war äußerst uninspiriert, die Songs passten nicht zueinander, die Übergänge waren holprig.
Das besserte sich beim zweiten Teilnehmer zumindest ein bisschen, wohl auch, weil er das Bodenfeuerwerk nicht so in den Vordergrund gestellt hat. Man konnte etwas mehr erkennen. Etwas. Die Musik passte besser, bis Lady Gaga die Atmosphäre killte. Danach zündeten die Songs nicht mehr wirklich. Und auch wenn ich AC/DC sehr mag, machen die Australier keine Musik, zu der man ein Feuerwerk choreografieren sollte. Musik ohne Spannungsbogen, auf einem durchgängig hohen Energielevel lässt keine Steigerungen zu. Das war schade, auch wenn das Finale ziemlich gut war.
Die Ehrenrettung nicht nur des Abends, sondern der gesamten Veranstaltung kommt Art of Fire aus Gera zu, übrigens der einzige Name, den ich mir gemerkt habe. Perfekte Musik, perfekter Wechsel zwischen Dynamik (Mittel- und Höhenfeuerwerk) und Stille (ruhiges Bodenleuchten). Ein großes Lob an Steffen Bräunlich und seine Truppe.
Mein Fazit: Tolles Feuerwerk von Art of Fire, gute Mucke der Tequila Sunrise Band, fehlplatzierte Percussion von Ruhrcraft, abstoßendes Schlagergeklimper von Jennifer, ein überflüssiger DJ (da hätte man ruhigen Gewissens den Dortmunder Sender Radio 91.2 einschalten können), eine grottenschlechte Organisation und ein Schlag ins Gesicht für die Leute, die sich die überteuerten Sitzplatzkarten geleistet haben. Da hat der Westfalenpark die Möglichkeit, ein tolles Event neben dem Lichterfest zu etablieren, und fährt den Karren dermaßen in den Dreck, dass die Veranstalter im nächsten Jahr nur die Klientel haben werden, die auch auf Wettrülpsen steht, Wet-T-Shirt-Contests, Michael Wendler und aufs Wacken fährt.
