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Sinnfreitag: Heute sinnvoll: Igel gefunden, was nun?

Mittlerweile beherberge ich den elften Igel. Also, eher eine Igelin. Frosty.

Fundigel von Ende Oktober mit knapp 230 Gramm

Fundigel von Ende Oktober mit knapp 230 Gramm

Ich mag Igel. Ich finde, jeder mit entsprechendem Platz sollte sich in Herbst und Winter eines hilfebedürftigen Igels annehmen. Das ist auch gar nicht weiter schwer, denn bei kranken Igeln sind Tierärzte verpflichtet kostenfrei zu helfen. Was aber tun, wenn einem ein Igel über den Weg läuft und kein Tierarzt greifbar ist?

1. Genau ansehen

Ist der Igel verletzt? Ist er schwach? Haben sich viele Zecken auf ihm eingenistet? Igel sollten um diese Zeit, also Mitte November, gute 600 Gramm Körpergewicht auf die Waage bringen. Nur dann haben sie genug Reserven, um den Winterschlaf zu überleben. Wirken Igel zu schmal oder sind direkt hinter Kopf “eingefallen”, sollte man sie mitnehmen.

2. Füttern

KEINE MILCH! Das musste mal gesagt werden. Igel vertragen Milch nicht. Am besten hilft auf die Schnelle ein ungewürztes Rührei. Bisher ist mir noch kein Igel untergekommen, der ein frisches Rührei verschmäht hätte. Ansonsten fressen die Stacheligen gerne Hähnchenflügel, Avocado, Rinderhackfleisch und Katzenfutter (bei Letzterem stinken sie aber ziemlich). Etwa 80 bis 100 Gramm Futter pro Abend sollten es sein.

3. Unterbringen

Igel müssen sich geschützt fühlen. Fürs Erste reicht ein Schuhkarton, den man mit Zeitung auslegt und mit Zeitungsstreifen vollstopft. Luftlöcher nicht vergessen! Igel brauchen aber auch Auslauf. Wenn man zwei Umzugskartons zusammengklebt und mit einem Durchgang versieht, kann der Igel nachts seine Runden drehen. Aber dann bitte auch eine Tür ins Igelhäuschen schneiden.
Bitte KEIN LAUB und bitte keinen Igel in den Kaninchenkäfig packen: Dann will er durch den Maschendraht ausbrechen und kann sich böse verletzen.

4. Versorgen

Sobald wie möglich zum Tierarzt gehen oder eine Igelschutzstation aufsuchen. Dort werden die Tiere entweder kostenfrei oder gegen eine wirklich geringe Gebühr entfloht, entzeckt, geimpft und mit Vitaminen versorgt. Tipps gibt’s gratis dazu.
Dann heißt es: Gewicht beobachten. Der Igel sollte nun ordentlich zulegen. Mal zwanzig Gramm pro Nacht, mal nur zwei, vielleicht mal ein Gramm abnehmen; aber die Kurve sollte zügig nach oben zeigen. Wenn nicht: ab zum Tierarzt und auf Parasiten untersuchen lassen.

5. Winterschlaf

Hat der Igel genug Gewicht (je nach Größe können das zwischen 500 und 1000 Gramm sein), kann er kaltgestellt werden, also entweder in den wirklich kalten Keller, geschützt in den Garten oder auf die Terrasse/den Balkon. Dann sollte es aber schon eine wetterfeste Holzkiste sein, in die der Igel mit seinem Häuschen einzieht. Futter wie gewohnt anbieten. Der Igel wird anfangen, alles Lose in sein Schlafhäuschen zu ziehen, deshalb sollten immer genügend Papierstreifen alter Zeitungen vorhanden sein. Irgendwann stellt der Igel dann das Fressen ein und schläft. Der Eingang kann nun mit einem Blatt Klopapier “verschlossen” werden, so kann man immer sehen, ob der Igel nicht mitten im Winter doch wieder wach wird. Wenn das passiert, unbedingt beobachten und Nahrung anbieten. Geht er nicht wieder schlafen, ist er krank und sollte von einem Tierarzt untersucht werden. Im Frühjahr wird er wieder wach. Dann darf er das natürlich. Er kann dann wieder angefüttert und an der Stelle ausgesetzt werden, an der er gefunden worden ist.

Fragen zum Thema könnt ihr gerne in den Kommentaren loswerden!

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