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Social Media – Leidenschaft vs. Businessgewäsch

Hunde sind immer zu hundert Prozent bei der Sache. Das macht sie so sympathisch. Und authentisch.

Hunde sind immer zu hundert Prozent bei der Sache. Das macht sie so sympathisch. Und authentisch.

In Zeiten, in denen jeder seine Kontakte bei Facebook, Xing, StudiVZ, meinVZ, Twitter oder wo auch immer pflegt, schießen Experten wie Pilze aus dem Boden, die meinen, all das noch besser zu können: Social Media Experten, Social Media Gurus, Social Media Ninjas. Die erzählen euch dann, wie Kommunikation funktioniert. Reden. Und Schreiben.

Immer aber geht es darum, wie man seine Social-Media-Aktivitäten “monetarisiert“, also zu Geld macht (vor allem zum Geld der Gurus). Da werden Strategien erdacht, Profile angelegt und wahnwitzig in fünfzehn verschiedenen Portalen veröffentlicht. Alles wird miteinander vernetzt, zugunsten der “Sichtbarkeit“, was nichts anderes bedeutet, dass ihr nun überall gefunden werdet. Klingt gut? Dann wünsche ich euch viel Spaß, Kunden-, Freundschafts-, Kontakt- und auch Blödsinnsanfragen auf fünfzehn Plattformen zu beantworten. Einwände? Ach ja, der Experte sagt, dafür könne man dann ja ein paar andere Leute zusätzlich einspannen oder Praktikanten einsetzen. Quasi eine Social-Media-Call-Center-Einsatztruppe. Tolle Idee, oder? Die können dann gleich auch ans Telefon gehen, wenn dein bester Freund anruft. Oder ein alter Schulfreund dich auf Facebook wiedergefunden hat. Oder können twittern, mit welchen Kunden du gerade Verhandlungen führst. Oder um welchen Etat deine Agentur pitcht. Tolle Idee, oder?

Social Media – Was’n das überhaupt?

Jetzt mal Polemik beiseite. Was bedeutet denn “Social Media“? Social Media bedeutet Kommunikation auf Augenhöhe. Auf Twitter wird geduzt, warum auch nicht? Kommunikation bedeutet zuzuhören, auf Empfang zu sein, mitzureden. Da genügt es nicht, eine Fanseite auf Facebook einzurichten und sich dann monatelang nicht mehr blicken zu lassen. Es genügt auch nicht, auf allen Portalen regelmäßig irgendeine Pressemeldung zu posten, getreu dem Motto: Hauptsache, was gesagt.

Social Media ist neu, ist das große, aktuelle Abenteuer. Für uns alle. Also verhohnepiepel uns nicht mit deiner PR-Abteilung. Das fliegt eh auf.

Social Media benötigt Leidenschaft. Man muss für die Kommunikation geschaffen sein, muss reden wollen, sich austauschen wollen, nicht mundfaul sein. Dann ist man authentisch. Und wird ernst genommen. Dabei muss man natürlich abwägen, auf welchen Kanälen man kommunizieren will. Da ist ja nichts in Stein gemeißelt, aber man sollte sich klar darüber sein, dass aktive Profile auch angeschrieben werden und Anfrager Antwort erwarten. Mit Recht.
[Mir reichen im Moment Xing, mein Blog, Twitter und Facebook. Letzteres pflege ich aber nur privat, da bleibt's Business außen vor. Anfragen von Arbeitskollegen ignoriere ich. Auch in einem öffentlichen Netzwerk kann man privat sein. MySpace ist nur da, das Profil beobachte ich, da tut sich aber erwartungsgemäß nichts (MySpace braucht auch niemand mehr), mein Profil auf LinkedIn wird in den nächsten Wochen aktualisiert (mal sehen, ob sich da mal irgendwann was tut, im Moment sehe ich das nicht).]

Wozu also Experten?

Liegt doch auf der Hand: Die Leute kennen sich aus. Sie machen quasi  Social-Media-Platte. Die meisten wissen sogar, wovon sie sprechen. Lasst euch nur nicht alles aufschwatzen. Hirn einschalten, ist angesagt. Nehmt zum Beispiel einen klassischen Kurzwarenladen, in dem man tolle Dinge wie Knöpfe und Reißverschlüsse kaufen kann (ja, solche Läden gibt’s wirklich). Einderseits muss ein solcher Laden nicht twittern, weil seine vermutlich ältere Klientel diesem Kanal kein Ohr schenkt. Andererseits sollte gerade dieser Laden twittern, was das Zeug hält, weil es a) neu wäre und b) er sich dadurch neue Kunden erschließen könnte. Letztendlich muss er es ausprobieren. Wenn es nach, sagen wir, einem halben Jahr überhaupt nichts gebracht hat (weder Kunden noch Geld noch Spaß), kann er seinen Account ja wieder abtreten, ist ja kein Beinbruch.

Nur Spaß – oder auch Geld?

Das wird sich zeigen müssen. Social-Media-Plattformen sind selbst noch auf der Suche nach Geld. Auch wenn Facebook und Co. hoch gehandelt werden, es ist eines, auf dem Blatt viel Geld wert zu sein – und ein anderes, jemanden zu finden, der es auf den Tisch legt. (Ich, zum Beispiel, bin auch ganz viel wert, bestimm mehr als Twitter, vielleicht nicht ganz so viel wie Google, aber mich will auch niemand kaufen.) Ähnlich ist es mit Unternehmen, die sich online vernetzen. Sie schaffen vor allem Markenpräsenz. Ob nun jemand Adidas-Schuhe kauft, weil er Fan bei Facebook ist, wage ich zu bezweifeln. Aber Social Media stärkt das Markenbranding. Präsenz ist hier das Zauberwort. Schließlich haben auch alle ein Telefon und fragen nicht, ob man es monetarisieren kann. Letzten Endes geht es darum, da zu sein, wo die eigene Zielgruppe sich herumtreibt, rumlungert, herumpöbelt oder wasauchimmer. Wenn man zuhört und mitmacht, wird man wahrgenommen. Man wird Teil der Socialmediasphäre. Weil man will, nicht weil man muss.

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