Jan
2010
Avatar – oder was die Musikindustrie von einem hohlbrotigen Film lernen kann
Samstag habe ich Avatar gesehen. Ja, das ist die futuristische Pocahontas-Geschichte von James Cameron, der gut die Hälfte des Films im Computer hat entstehen lassen. Was man sieht. Keine Frage, die Effekte sind grandios, man kann kaum sagen, was real ist und was errechnet wurde. Lediglich von realistischer Mimik sind die Künste der Rechensklaven noch Jahre entfernt. Da wirkte Etliches unecht.
Viel schlimmer ist allerdings die unerträglich dünne Story. Böse Rohstoffhändler fallen auf Planeten ein und wollen die Ureinwohner umsiedeln. Die wollen nicht, es kommt zum Kampf, zu einer Liebe zwischen den Fronten – und zu einem glücklichen Ende. Dafür braucht man nichtmals ‘nen Bierdeckel. Nichtsdestotrotz hat die gute Frau vor mir Rotz und Wasser geheult. Die arrogante, ungehobelte Frage nach ihrem IQ möchte ich hier nicht stellen.
Das alles wusste ich freilich vorher.
Warum also war ich überhaupt im Kino?
Ich mag das 3D-Erlebnis. Ich habe Disney’s Weihnachtsgeschichte im Kino gesehen, obwohl ich Jim Carrey nicht sonderlich mag. Und ich habe den drittklassigen Slasher “My Bloody Valentine” im Kino gesehen. In 3D. In den Jahren davor war ich viel seltener im Kino, weil ich mein Sofa und meinen DVD-Player mag. Und zu Hause sind Kaffee und Kekse zudem viel billiger.
Zu Hause habe ich aber keine dritte Dimension. Hier haben die Filmemacher einen echten Joker gezogen, der mir das Geld aus den Taschen zieht (gut, die Kekse nehme ich noch immer von zu Hause mit, aber heißer, schweineteurer Kaffee muss sein). Ich liebe es, in den Film einzutauchen, das Gefühl zu haben, mitten im Geschehen, ja Teil der Handlung zu sein. Das ist fantastisch. Da verzichte ich gerne mal auf Tiefgang (aber damit habe ich Fan alter Trashfilme eh kein Problem).
Und wo ist der Zusammenhang mit der Musikindustrie?
Plattenfirmen sind genau den entgegengesetzten Weg gegangen. In der Tonqualität reduzierte, komprimierte Formate sind angesagt. Damit hunderte von Songs auf einen mp3-Player passen. Masse statt Klasse. Damit hat sie den physikalischen Tonträgern selbst den Todesstoß versetzt. CDs und Vinyls werden in den nächsten Jahren zu Nischenprodukten verkommen und einem kleinen Liebhaberkreis vorbehalten sein.
Dagegen boomt der Absatz großformatiger Flachbildfernseher und edler Heimkinosysteme. 3D wird der nächste lukrative Schritt ins Wohnzimmer sein. Dafür greifen die Leute tief in die Taschen. Und hier funktionieren auch die illegalen Downloadportale nicht mehr. Blu-ray-Discs fassen bis zu 50 GB an Daten. Wer will sich die mal eben irgendwo runterladen? 50 GB entsprechen weit mehr als 10.000 durchschnittlichen mp3-Songs.
Wo also sind die lossless Formate der Plattenfirmen? Wo die hochwertigen Abspielgeräte, die den Leuten Musik nahebringen? Gibt es? Klar gibt es die, irgendwo in Spezialgeschäften, zu horrenden Preisen. Dabei hört jeder Musik. Jeder! Aber jeder prollt mit seinem mickrigen iPod und hält sich damit für den durchdesignten Nabel der Welt. Und die Musik? Bleibt auf der Strecke. Wundert mich nicht.
