Jun
2010
In den letzten Tagen habe ich mich ja, wie berichtet, zum Texten vom Rechner entfernt. Weit entfernt. Denn wenn die Recherche einmal abgeschlossen ist, lenken Direktnachrichten und E-Mails ungemein vom Schreibfluss ab. Dann gibt es zu viele interessante Links, zu viel Konversation und im schlimmsten Fall zu viel Kannste-mal-eben. Social-Media-Surren. Permanent.
Dabei, so scheint es mittlerweile, gibt es gar nicht allzuviel mitzuteilen. Wertige Links und Hinweise bekomme ich via Twitter von mindestens sechs Seiten in die Timeline geschrieben. Da ist es nicht tragisch, mal drei, vier Stunden offline zu sein. Auf Facebook wird größtenteil geplappert oder Eigenwerbung betrieben. Die gibt es freilich auch auf Twitter, neben all diesen unerträglichen - und ich meine wirklich: unerträglichen – Sitze-im-ICE-nach-Brzlfx-Postings. Ganz ehrlich – und ganz vulgär: Das interessiert doch keine Sau. Leute mit solch einem Mitteilungswahn rufen bestimmt auch alle ihre Freunde an, um ihnen zu berichten, wie voll die S-Bahn gerade ist. Nicht? Warum sollte mich das dann interessieren? Oder ist das ein neuer Trend:
Zu Beginnn wurde Twitter belächelt, jeder würde nur über sein Mittagessen berichten. Inzwischen sind wir genau da wieder angelangt: Jeder fährt irgendwohin, steht im Stau, trinkt Cocktails, ist bei einem Kunden, hat einen Auftrag bekommen, hat einen Auftrag abgelehnt. Na und? Ich folge Leuten auf Twitter, wenn ich sie kenne, schätze oder wenn sie Wissen verbreiten. Welche Straßenbahn gerade Verspätung hat, gehört nicht dazu.
Es wäre schön, wenn wir uns auf Folgendes einigen könnten: Social-Media-Relations, wenn mir dieser Anglizismus gestattet ist, funktionieren wie im echten Leben:
Amen.

Hunde sind immer zu hundert Prozent bei der Sache. Das macht sie so sympathisch. Und authentisch.
In Zeiten, in denen jeder seine Kontakte bei Facebook, Xing, StudiVZ, meinVZ, Twitter oder wo auch immer pflegt, schießen Experten wie Pilze aus dem Boden, die meinen, all das noch besser zu können: Social Media Experten, Social Media Gurus, Social Media Ninjas. Die erzählen euch dann, wie Kommunikation funktioniert. Reden. Und Schreiben.
Immer aber geht es darum, wie man seine Social-Media-Aktivitäten “monetarisiert“, also zu Geld macht (vor allem zum Geld der Gurus). Weiterlesen →