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Zuckerbrot und Peitsche in Heide Liebmanns Marketing-Gewürzregal

Ein interessantes Thema hat sich die gute Heide hiermit ausgedacht. Zunächst habe ich lange überlegt, was denn Zuckerbrot und Peitsche mit Marketing zu tun haben könnten, dann sind mir gleich zwei Bereiche eingefallen: die eigene Selbstvermarktung und die Beratung von Kunden.

Das Fazit vorneweg: Manchmal muss man sich zwingen, Dinge zu tun, die man eigentlich nicht möchte, um danach den Lorbeerkranz zu tragen. Dasselbe gilt für die betreuten Kunden. Die tragen dann allerdings im besten Fall die gefüllten Geldsäckchen nach erfolgreicher Umsetzung eurer Vorschläge nach Hause. Uns bleibt die Ehre, und das ist gut so, denn wenn wir reich wären, hätten alle nur noch schlechte Texte und schlimme Strategien, weil sich niemand mehr drum kümmerte.

Selbstvermarktung auf allen Kanälen

Manchmal ist es ein Trauerspiel: Man hat tolle Ideen, die andere Unternehmen bitte umsetzen sollten, Social-Media-Marketing-Maßnahmen, Profiling in Netzwerken, Online-Reputation-Management. Und dann haben all diese Instrumente auch noch so wohlklingende Namen, die man dem Kunden gerne übersetzt. Die eigene Präsenz allerdings lässt arg zu wünschen übrig. Die Homepage hatten wir uns damals mit Frontpage selbst gebaut. Drei Wochenenden sind dafür draufgegangen, aber dann waren wir stolz wie Bolle und schrien vom Balkon: Schau, Welt, was ich vollbracht habe!

Klar, wir haben uns einen Twitter-Account gesichert, aber leider wenig Zeit für sinnvolle Tweets. In unserem Blog wachsen statt Zugriffszahlen nur Spinnweben, weil mal wieder eine Deadline droht.

Merkt ihr was?

Ihr bläut euren Kunden ein, aktuell zu sein, in Dialog zu treten, zu bloggen, zu twittern, zu facebooken (hmm, gibt’s die Vokabel?), aber selbst seid ihr nur mit eurer Baukastenseite und einem Blogeintrag (”Willkommen auf meinem Blog. Schön, dass Sie hierhin gefunden haben. In den nächsten Wochen finden Sie hier Tipps rund ums Marketing. Ich freue mich auf Ihren Besuch.”) im Internet präsent. Obwohl ihr wisst, wie’s geht. (Ich nehme mich hier natürlich nicht aus.)

Selbstvermarktung heißt, sich selbst auf die Schulter zu klopfen und die Werbetrommel zu rühren. Neue Kanäle auszuprobieren. Ich hielt Twitter auch für Schwachsinn (und in den meisten Ecken ist Twitter immer noch total hohlbrotig, keine Frage), hatte Recht mit meiner Einschätzung, MySpace sei nur was für Profilneurotiker, trotzdem habe ich alles ausprobiert. Ungern, zugegeben. Aber hier kommt die Peitsche ins Spiel. Wenn man seinen Kunden vermitteln will, welche Kanäle sie in der Vermarktung zu bedienen haben, sollte man diese Kanäle aus eigener Erfahrung kennen.

Also, und das bete ich meinem Spiegelbild jeden Tag vor, runter mit den Scheuklappen, weg mit den Vorbehalten, peitscht euch in neue Trends, testet alles an – und traut euch dann auch zu verwerfen, was ihr für sinnfrei haltet.

Das war die Peitschenseite der Selbstvermarktung. Zuckerbrot gibt’s hier nicht. Wenn ihr alles richtig macht, sollten euch zufriedene Kunden und volle Auftragsbücher genug Belohnung sein.

Gespräch mit dem Kunden

Ich habe einige Male miterlebt, wie ein unsicherer Verhandlungspartner plötzlich anfing, die vorher besprochene Strategie beim ersten Widerwort des Kunden zu verwerfen und ihm nach dem Mund zu reden. Einige Male war ich das selbst. Ich habe gedacht, es sei ein großer Pluspunkt, wenn ich in einem Gespräch erkenne, dass der Kunde meine Einschätzung nicht teilt, und ich mich seiner Meinung anpassen kann. Schließlich bezahlt er mich ja auch – und die Psychologie sagt, man sollte Leute in ihren Ansichten bestärken, wenn sie keinen Schaden damit anrichten (stark vereinfacht ausgedrückt). Das ist aber schon eine Weile her.

Wenn man sieht, dass der Kunde mit einer Idee in sein Unglück rennt, muss man es ihm sagen. Natürlich fällt es manchmal schwer, ihm den Wind aus Segeln zu nehmen und seine Idee zu zertrampeln. Aber manchmal ist es nötig. Ich, zum Beispiel, bin ja nicht nur Texter. So wie jede/r Texter/in nicht nur Texter/in ist. Wir sind auch Berater. Weil wir wissen, wie Sprache funktioniert, zumindest erkennen wir, wann sie es nicht tut. Wir können die Wirkung von Headlines und Copys erahnen (und liegen selten falsch), steuern zu Anzeigen nicht nur Text bei, sondern meist die gesamte Idee. Die Idee vom Ganzen. Ohne betriebsblind zu sein.

Da hilft es nicht, den Kunden dafür zu loben, dass er sich kreativ einbringt. Er soll es nicht. Das Wichtigste ist, dass der Kunde ein vernünftiges Briefing zustande bringt. Das gibt es selten genug. Wie oft habe ich gehört: “Ja, wir haben da schon Text zu geschrieben, der müsste bis heute Nachmittag mal eben überarbeitet werden”? Aha. Was machen Sie noch gleich? Wen sprechen Sie an? Wer ist Ihre Zielgruppe? Wie sind denn Ihre Mitbewerber aufgestellt?

Wenn es jetzt keine klaren Antworten gibt, muss man die Peitsche rausholen und dem Kunden gleichzeitig das Zuckerbrot vor die Nase halten. Macht ihm eure Vision schmackhaft. Lasst ihn sehen, was ihr seht. Visualisiert die Wirkung einer tollen Anzeige, eines durchdachten Konzeptes, einer genialen Marktstrategie. Lockt ihn. Und wenn er nicht mitgeht, helft hinten mit der Peitsche nach.

Manchmal muss man seine Kunden zu ihrem Glück zwingen. Klingt hart? Nein. Schließlich verbringt ihr Tag und Nacht mit euren Ideen, habt in tausendundeiner Stunde Alternativen erdacht, findet ständig auf wundersame Weise weitere Lösungen und verdient damit nicht nur Lob und Anerkennung, sondern auch euren Lebensunterhalt. Meistens. Macht also eure Expertise geltend. Nicht, indem ihr euch selbst als Experten bezeichnet. Davon gibt es wahrlich genug. Überzeugt mit Argumenten. Versüßt eurem Kunden, dass er sich von seiner bisherigen Strategie verabschieden muss (Zuckerbrot) und motiviert ihn euch zu folgen (Peitsche).

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Unverzichtbare Texter-Tools

Wer seine Brötchen als Freiberufler verdient, kommt ohne die richtigen Werkzeuge selten aus. Ich baue seit einiger Zeit auf ein paar Programme, auf die ich nicht mehr verzichten möchte. Alle laufen unter Windows, manche auch unter Linux, die Freeware-Szene für Macs ist ja nicht so ausgeprägt, allerdings fehlt mir da auch der richtige Überblick. Ich mag Macs nicht.

Im Bereich Text, mit dem ich beginnen möchte, baue ich auf reine Texteditoren. Zum einen gibt es sehr gute Programme, die frei verfügbar sind, zum anderen ist der Plattform übergreifende Austausch im txt-Format kein Problem. Schließlich werden keine Formatierungen übermittelt und über die richtige Office-Suite muss auch nicht nachgedacht werden.

Zwei Tools kommen regelmäßig zum Einsatz: Weiterlesen →

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Petition gegen schlechte Texte

Seit einigen Tagen geistert eine “Petition gegen schlechte Texte” durch die Bloglandschaft, initiiert durch den Textguerilla-Blog. Diese wird gezeichnet von etlichen geschätzten Texterkolleg/innen, deren Blogs ich regelmäßig lese (und von denen einige vielleicht sogar Einzug in die Blogroll halten werden).

Mein erster Gedanke aber war: Fangen Texter jetzt auch schon an zu jammern? Weiterlesen →

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Die vier Sargnägel eines Texters – Nagel 1

Neben zu viel Kaffee, zu wenig Schlaf und zu wenig Platz auf dem Schreibtisch wegen zu vieler Kundensprech-Textersprech-Wörterbücher gibt es einige Phrasen, die durchaus irgendwann einmal die Nägel meines Sarges sein könnten. Aus etlichen Unterhaltungen mit anderen Textern weiß ich, dass ich damit nicht allein stehe.
Deshalb hier für Sie, geschätzte Kunden, und für Sie, geschätzte Leser, die vielleicht einmal Kunden werden, in einer losen Reihe die vier Sargnagelphrasen des Textertodes. Weiterlesen →

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Das Zeitalter des B-to-U-Marketings

Es ist an der Zeit, sich vom B2C- und B2B-Denken zu verabschieden. Unternehmen kommunizieren nicht mehr nur mit ihren Konsumenten und Kunden, sondern via Internet vor allem mit den Usern, die sich auf ihrer Unternehmens-Website einfinden.

Genauso wie Print-Werbung nicht analog im Internet funktioniert, kann auch die Konsumenten-Ansprache nicht eins zu eins auf User übertragen werden. User lesen anders. Weil Text im Internet anders funktioniert.

Texten für eine Website ist oftmals ein Balanceakt zwischen schnöd-sachlichem Lexikonartikel und blumig-belletristischer Ausschmückung. Jeder mag einen guten Roman, aber niemand liest gerne Romane am Bildschirm.

Wenn Sie Ihr Unternehmen vorstellen, werden Sie eine Menge Aspekte unterbringen wollen. Ihnen ist klar, dass das Platzangebot in Imagebroschüren begrenzt ist. Warum also nicht auf der Unternehmenswebsite ordentlich vom Leder ziehen? Schließlich ist der User schon mal da, dann kann man ihm ja ruhig das Komplettpaket unter die Nase reiben. Am besten in einer ausladenden Flash-Präsentation ohne Skip-Button. Oder nicht? Nein, weil es nämlich niemand lesen wird.

Wie gelangen denn User oder Kunden auf Ihre Homepage? Entweder über Suchmaschinen, so Sie denn gefunden werden. Oder aber sie kennen bereits Ihre Firma und möchten sich näher über Sie informieren. Oder etwas kaufen. Das wäre ja eh der wünschenswerteste Besuchsgrund. Also: Langweilen Sie sie nicht. Wenn ein Kunde Ihre Seite wegklickt, kommt er wahrscheinlich nie mehr wieder. Ihre Imagebroschüre ist nach dem Zuschlagen wenigsten noch physisch präsent (und auf dem Weg ins Altpapier erneut). Ihre Website ist geschlossen, nicht in den Bookmarks oder Favoriten gespeichert, im schlimmsten Fall sogar Ihr Name vergessen.

Was also tun?

  • Fassen Sie sich kurz.
  • Kommen Sie auf den Punkt.
  • Formulieren Sie klar und deutlich.
  • Nehmen Sie den User an die Hand und führen ihn durch Ihre Website.
  • Sprechen Sie nicht durch die Blume, Subtilitäten haben in direkter Useransprache nichts zu suchen.
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